Der Evangelische Friedhof Meran, ein Ort des friedlichen Gedenkens
Der evangelische Friedhof ist ein Ort, an dem man gut zur Ruhe kommen – und der eigenen Seele gute Nahrung für das Gewöhnliche und das Außergewöhnliche im Alltag geben kann. Mit seinen verschlungenen Pfaden, seinen Sträuchern, Pflanzen- und dem urigen Baumbestand ist der Friedhof eine grüne Oase mit ganz besonderem Flair. Leben und Tod treten hier in Verbindung und bekommen versöhnliche Züge.

Der evangelische Friedhof gibt Auskunft über die Bestattungskultur vergangener Jahrhunderte. Im Hinterfragen alter Traditionen, im Umgang mit Trauer- und Begräbnispraxis werden Erinnerung an Bestattungskultur, Gebote und Verbote im Südtirol und speziell in der Stadt Meran deutlich.

Die vielfältigen wunderschönen Gräber mit ihren Zahlen und Namen, hinter denen sich ganz unterschiedliche Lebensgeschichten verbergen, geben Auskunft über verschiedene Religionen und Konfessionen. Unterschiedliche Nationalitäten, Sprachen und Kulturen treten hier in einen stillen Dialog. Die Grabsteine erzählen in ihren unterschiedlichen Formen und mit ihren unterschiedlichen Symbolen vom Leid und auch von der Hoffnung, die sich mit den Verstorbenen und ihren Hinterbliebenen verbindet. Eine gebrochene Rose beschreibt das kurze Lebensglück und zugleich von der Liebe, die über den Tod hinausreicht. Die betenden Hände erzählen vom Gespräch mit Gott, von unseren Wünschen und Bitten, aber auch von ihrer Dankbarkeit. Der Anker zeugt vom sicheren Hafen bei Gott, der Lebensbaum von der Ewigkeit und griechische Buchstaben vom irdischen Anfang und Ende die einst in Gottes Reich münden. Eine Harfe, ein Wappen, ein Foto deuten Tod und Leben in unterschiedlichen Formen. Das Kreuz steht nach wie vor für das Leben, durch das Jesus den Tod überwunden und dem Leben eine neue Dimension geschenkt hat.

Ein besonderes Kreuz, das armenische Kreuz, findet man auf dem Grabstein von Johannes Lepsius. Es erinnert an seine Lebensaufgabe, dem armenischen Volk Sprachrohr und Bote in den schweren Zeiten der Vertreibung, Verfolgung und Vernichtung gewesen zu sein. Der ganze Friedhof ist ein Zeugnis von Glaubens- und Lebensgeschichten, die weit über Meran und den Südtirol hinaus gehen.

Der evangelische Friedhof wurde einst als erster „evangelischer Friedhof“ in Tirol, am 10. Dezember 1861 am heutigen Sissi-Park (Marconi-Park) eingeweiht. Im Jahre 1911 wurde er auf Grund seiner begrenzten Fläche geschlossen und 1939 vollständig aufgelassen. Es erfolgte eine Umbettung auf den 1897 neu eröffneten zweiten evangelischen Friedhof in der Marlingerstraße. Die evangelische Gemeinde Meran A.B. plant mit Unterstützung von Pfr. i.R. Hans Reimer im kommenden Jahr einen „historischen Rundgang“ auf dem Friedhof zu installieren, der mit Hinweistafeln noch besser Auskunft über Leben und Wirken von Persönlichkeiten auf dem besonderen Friedhof geben soll.

Ein Ort des Friedens und der Geborgenheit
Es gibt Augenblicke im Leben, da verliert ein Mensch den Boden unter den Füßen. Da ist es gut, wenn man sich nicht nur auf sich selbst verlassen muss, auf seine eigene Stärke und seine eigene seelische Stabilität. Es gibt Augenblicke, da kann man nur weiterleben – und mit dem Alltäglichen weitermachen – wenn man seine Lebenskraft nicht allein aus sich selbst heraus schöpfen muss, sondern wenn man seine Seele, seine Wünsche und auch seine Ängste und Sorgen einer höheren Macht anvertrauen kann.

Familie Gottes
Immer wenn wir an unsere Grenzen kommen, vor allem dann wenn es um die Begrenztheit unseres menschlichen Lebens geht, brauchen wir Halt und Trost von außerhalb, außerhalb unserer selbst. Wichtig ist, dass wir unsere Grenzen erkennen und akzeptieren lernen. Wichtig ist, dass wir nicht nur wahrnehmen, was wir verloren haben, sondern auch das, was uns von Gott geschenkt und anvertraut war. Die Familie ist und bleibt das höchste Gut der Gemeinschaft, das über viele irdische Widrigkeiten und Schwierigkeiten hinweghelfen kann. Das meint die Familie im Kleinen wie im Großen, auch die große Familie Gottes in der christlichen Gemeinschaft. Gott kann und will uns helfen, auch diese schweren Zeiten auszuhalten. Gott stellt uns Menschen an die Seite, die uns Leid und Trauer tragen helfen. Gott ist es, der uns im Leben begleitet und bewahrt, auch wenn wir oft den Eindruck haben, „allein gelassen“ oder „von Gott verlassen“ zu sein.

Leben und Sterben
Im Vertrauen auf Gottes Zusage dürfen wir getrost leben, und wenn es Zeit für uns ist auch getrost sterben. Die Spanne zwischen Geburt und Tod ist ganz unterschiedlich, sie liegt aber allein in Gottes Hand. So sehr wir uns auch darum mühen, unserer Lebensspanne kann keiner etwas hinzufügen oder wegnehmen. Auch wenn der Tod scheidet und oft schmerzlich trennt, so bleiben bei uns viele Bilder und Erlebnisse an und mit ihm zurück, die uns niemand – auch der Tod nicht – nehmen kann. Bilder von ihm und Bilder mit ihm! Was zurückbleibt sind die Bilder der Vergangenheit, die vielleicht etwas verblassen, aber immer wieder präsent und lebendig werden, wenn wir dies wollen. Da wir in den Tod Jesu Christ hineingetauft sind, so werden wir auch mit ihm leben und im Glauben auch mit ihm wieder auferstehen und das ewige Leben haben. Auch wenn uns die Vorstellungskraft heute und hier dafür fehlt! Wir können uns so vieles nicht vorstellen, (Unendlichkeit, Ewigkeit…) weil unser Verstand und unser Wissen immer begrenzt bleiben, so viel wir auch forschen und ergründen.

Zusage Gottes
Allein im Glauben und im Vertrauen auf Gottes Zusage werden wir eine Ahnung davon bekommen, dass mit unserem irdischen Tod nicht alles zu Ende ist, sondern ein unvorstellbares Leben anbricht, ohne Leid und Schmerz, ohne Angst und Sorge, ohne Krankheit und Tod. Wohl dem, der glaubt!