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Worte aus der Quarantäne – ‪21.11.2020‬

Gott, deine Güte ist besser als Leben. Psalm 63,4

Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Johannes 4,16

Ein wohltuender Bibelvers zum Abschluss dieser Andachtsreihe. Ein beliebter Tauf- und Trauspruch, der es in sich hat. Der Prophet Micha fasst es so zusammen: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott!“ Micha 6,8

Eine wohlhabende Frau reiste durch das Land, um die Schönheit der Welt zu entdecken. Dabei wurde sie gewahr, wie viele notleidende, arme und kranke Menschen es doch überall gab. Sie sah einen kleinen Jungen, der mit seinen dünnen abgemagerten Ärmchen um Brot bettelte. Da sah die Frau zum Himmel und sprach zu Gott: „Lieber Gott, wie kannst Du nur zulassen, dass dieser Junge solche Not leiden muss? Warum tust Du denn nichts?“

Da erhob sich eine Stimme aus den Wolken und Gott sprach in freundlichem Ton zu der Frau:

„Ich habe doch etwas getan! Ich habe DICH geschickt!“   

Gottes Liebe wird auf dieser Welt in und durch uns sichtbar und erlebbar. Wenn wir Gottes Handeln in Frage stellen, dann stellen wir uns selbst in Frage. Wir lassen die Not und das Elend zu. Wir helfen und setzen dem Leiden in dieser Welt etwas entgegen. Gott vertraut uns so viel im Leben an und er rechnet damit, dass wir diese Liebe und diese Gaben einsetzen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit mit dem Blick auf Ihren Nächsten und, dass Ihr Nächster auch Sie im Auge behält,

Ihr Pfr. Martin Krautwurst

Worte aus der Quarantäne – ‪20.11.2020‬

Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Daniel 2,21

Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Offenbarung 15, 3-4

Fürsten, Könige und Kaiser kommen und gehen. Und mit ihnen ihre Reiche und ihre Politik. Wer selbst in einer Diktatur leben musste, der weiß von der Ungerechtigkeit und den Einschränkungen von Freiheit. Auch heute noch gehen Menschen auf die Straße und wehren sich gegen die Systeme und ihre Ungerechtigkeit in ihrem Land. In Europa zeigten Diktaturen die grausame Fratze der Menschenverachtung. Dies sollten wir nie wieder zulassen! Das System in unserem Land ist aber nicht mit den Diktaturen zu vergleichen, wie es uns manche glaubhaft machen wollen! Im Interesse der Menschen müssen unliebsame Entscheidungen getroffen werden, die nicht allen schmecken. Je mehr sich daranhalten, um so stärker ist der Erfolg.

Eine Fabel aus der Pflanzenwelt erzählt uns von diesem Widerstand gegen das Böse: Eine Eiche und ein Schilfrohr stritten sich über ihre Stärke und Festigkeit. „Jeder Windhauch bewegt dich hin und her…“, sagte überheblich die Eiche zum Rohr. Dieses entgegnete kein Wort. Nach einer Weile erhob sich ein heftiger Sturm. Der Eichbaum stemmte sich ihm entgegen und brach, während das Schilfrohr den Windstößen nachgab und im Schutz der vielen anderen Rohre unbeschädigt blieb.

Im Geiste mit vielen Gleichgesinnten heißt es auch heute wieder Farbe bekennen und Widerstand leisten. Wir müssen der Gefährdung trotzen und uns in der Gemeinschaft für das Wohl aller einsetzen, auch für das Wohl der Schwachen. So sollten in diesen Tagen die Schutzregeln an erster Stelle stehen und die angebotenen Tests genutzt werden! Sich testen zu lassen ist für mich ein Gebot der christlichen Nächstenliebe, zum eigenen Schutz und zum Schutz meines Nächsten. Je mehr sich gegen die Gefahr wehren, um so größer wird der Widerstand und der Schutz für jeden einzelnen.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

PS: Diese kurzen Andachten enden am Samstag den 21.11.2020. Ab Sonntag können Sie dann wieder die Gottesdienste live aus der Christuskirche in Meran auf Facebook verfolgen.

Worte aus der Quarantäne – ‪19.11.2020‬

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Psalm 34,9

Kommt, alles ist schon bereit! Lukas 14, 17

Endlich wieder „sehen und schmecken wie freundlich der Herr ist…“ und unser Leben reich macht. Diese biblischen Texte für den heutigen Tag nehme ich sehr persönlich, denn nach drei Wochen „Hausarrest“ dürfen wir die Quarantäne verlassen. Wir schmecken und riechen wieder, kein Fieber, keine Erkältungssymptome und ein normaler Puls und Blutdruck. „Wohl dem, der auf ihn trauet!“ Gottvertrauen schenkt Selbstvertrauen! Gott zu vertrauen heißt zu glauben, trotz aller Widersprüche die uns das Leben aufzeigt. Vertrauen schenkt Hoffnung, schenkt Mut und gibt Kraft in der jeweiligen Situation.

Ich muss zugeben, als wir erste Symptome spürten und die Testergebnisse positiv waren, war mir nicht wohl zu Mute. Keiner wusste wie der Krankheitsverlauf sein wird. Die Bilder der Intensivstationen im Krankenhaus, die mir auch durch die Klinikseelsorge bekannt waren, machten Angst. Ich habe große Achtung und Respekt vor jenen, die Tag für Tag mit Maske in ihren Schutzanzügen jene versorgen, deren Krankheit schwer verläuft. Und die Abweisungen von Patienten wegen Überfüllung der Stationen machen die Dramatik dieser Tage nur noch deutlicher. Da braucht es eine gehörige Portion „Gottvertrauen“. In diesem Vertrauen auf Gottes Beistand und Führung werden mir Kräfte zu teil, die mich tragen und stärken, unabhängig vom Krankheitsverlauf.  

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Hilfe und Unterstützung und die vielen Gebete bedanken. Es war sehr wohltuend Menschen an unserer Seite zu wissen, die mitfühlen und sich um einen sorgen. Mögen viele Menschen in diesen Tagen diese Erfahrung machen können.

Einen gesegneten Tag,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.  

PS: Diese kurzen Andachten enden am Samstag den 21.11.2020. Ab Sonntag können Sie dann wieder die Gottesdienste live aus der Christuskirche in Meran auf Facebook verfolgen.

Worte aus der Quarantäne – ‪18.11.2020‬

Herr, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du, aber wir gedenken doch allein deiner und deines Namens. Jesaja 26,13

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apg. 5,29

An wem und an was orientieren wir uns im Leben? Jeder von uns hat so seine eigenen Vorbilder und Lichtgestalten. Solchen Menschen nachzueifern fällt meist schwer. Die Stärke eines Mahatma Gandhis, den Mut eines Martin Luther King oder die Barmherzigkeit einer Mutter Teresa wünschen wir uns. Doch wenn es drauf ankommt, ziehen wir die Sicherheit und die Bequemlichkeit vor. Und dennoch kommt keiner daran vorbei, sich seine eigenen Werte und Maßstäbe zu setzen, zumindest in seinen Gedanken und Wünschen. Von wem und von was will ich mich leiten und führen lassen?

Vermeintliche Führergestalten gibt es auch heute wieder viele. Menschen, die uns versprechen, sorglos und bequem leben zu können, das ist verführerisch. Oft werden uns dabei besondere Werte und Qualitäten zugesagt, die uns von anderen abheben und unterscheiden. In der Vergangenheit ist das immer schiefgelaufen. Auf Kosten anderer zu leben oder den anderen auszugrenzen, erzeugt immer eine Ungerechtigkeit, die wieder auf uns zurückfällt.

Die Losung und der Lehrtext geben uns heute gute Orientierung. „Gott mehr gehorchen als den Menschen…“ heißt: Gesetze, Maßstäbe und Lebensgewohnheiten auf den Prüfstein zu stellen. Jeder Tag gibt uns die Möglichkeit für eine Korrektur des Gewohnten. „Was würde Jesus tun?“ heißt es auf den Armbändern unserer Jugend. Diesem Jesus von Nazareth zu folgen ist nicht immer leicht und manchmal auch unbequem. Aber mit dieser Stärke, diesem Mut und dieser Barmherzigkeit sind Menschen vor uns gut gefahren. Mit ihrer an Gott orientierten Nächstenliebe zählen sie heute nicht ohne Grund als Lichtgestalten und sind uns gute Vorbilder.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.      

Worte aus der Quarantäne – ‪17.11.2020‬

Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte. Jesaja 48,9

Gott hat uns errettet und uns berufen mit heiligem Ruf, nicht aufgrund unseres Tuns, sondern aufgrund seiner freien Entscheidung und seiner Gnade, die uns in Christus Jesus zugedacht wurde. 2. Timotheus 1,9

„Sola Fidei!“ – „Allein der Glaube!“ Die Glaubwürdigkeit wird in diesen Tagen hart auf die Probe gestellt. „Querdenker“, „Verschwörungstheoretiker“, „Fake News“, Was ist heute wahr oder unwahr? Welche Zahlen stimmen? Welchen „Fakten“ kann man noch glauben? Wenn selbst ein großer Präsident heute über Twitter Halbwahrheiten und Lügen verbreitet, um seine Macht und seinen Einfluss zu retten, ist es mit unserer menschlichen Glaubwürdigkeit nicht weit her. Und leider schwimmen auch wir in unseren sozialen Medien oft im eigenen Saft, weil andere kritische Meldungen unsere Netzwerke nicht erreichen. Dabei bräuchten wir doch der Realität nur ins Auge zu sehen. Die Krankenhäuser sind überfüllt, so dass Menschen wie hier in Meran, die dringend stationäre Hilfe brauchen, abgewiesen werden müssen. Und das betrifft nicht nur Patienten mit dem Virus, sondern auch Andere. Hilfe und Behandlungen sind nicht mehr möglich, weil es an Betten und Personal fehlt. Auch das macht Menschen zornig und in diesem Zorn und dieser Unzufriedenheit über die Umstände verliert unsere Glaubwürdigkeit im Umgang mit- und füreinander.

Und da begegnet uns die heutige Losung und der Lehrtext, der von Errettung, Berufung, dem Tun und von „Gnade“ spricht. Schon Martin Luther lebte in diesen Widersprüchen seiner Zeit. In ihm kämpfte Glaube und Zweifel, was wahr und was unwahr sei. Er rang mit sich und seinem Glauben, wie ein Mensch sich im Leben zu verhalten habe, um „Gnade und Heil bei Gott“ zu finden. Und er fand die Antwort in der Heiligen Schrift. Durch die Zusage, die uns Gott in der Heiligen Taufe macht. Allein durch unseren Glauben sind und werden wir gerecht vor Gott. Durch Jesu Tod und Sterben wird unsere Schuld getilgt. Und Luther erlebt und spürt diese befreiende Botschaft in seiner Zeit. Diese Zusage befreit und lässt ihn auch stärker auf andere hören und zugehen. Ich wünschte mir, dass auch wir einander mehr vertrauten. Das unser Glaube uns Kraft und Zuversicht gibt, andere Meinungen zu hören und zu verstehen. Und dass wir darauf vertrauen, dass uns Gott nicht aufgegeben hat, sondern uns begleitet und uns Menschen an die Seite stellt, die helfen.

Einen guten Tag voller Glauben, Vertrauen und Zuversicht wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.     

    

Worte aus der Quarantäne – ‪15.11.2020‬

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6,8

Jage nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen. 2. Timotheus 2,22

    

Wenn ich mit meinen Christenlehrekindern über die zehn Gebote gesprochen habe, dann habe ich oft den Einstieg mit Verkehrsregeln gewählt. Wofür gibt es eine Ampel? Warum haben sich Menschen diese Regeln ausgedacht? Warum müssen Menschen an Regeln auch bildlich vor Augen erinnert werden? Da gibt es nur eine Antwort: Damit das Leben funktioniert und sich jede/r sicher und wohl fühlt. Genauso war es schon bei Mose, als er mit den Gesetzestafeln vom Berg Sinai kam. Diese Gebote sind wohl als Grundlage in die Gesetzestexte unserer Zeit eingegangen, auch wenn sich nicht immer alle daran halten.

Der Prophet Micha umschreibt in unserer heutigen Losung den tieferen Sinn von Regeln, wenn er vom „Halten des Wortes Gottes“, von „Liebe üben“ und von „demütig sein“ spricht. Das heißt nichts anderes, als dass wir uns für das Recht für jeder-„mann/frau“ einsetzen, dass wir erkennen, dass jeder Mensch gleich viel wert ist und dass keiner von uns mehr Liebe verdient als ein anderer. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst…!“ sagt Jesus. Begegne anderen so, wie du es auch für dich erwartest. „Jage der Gerechtigkeit, der Liebe und dem Frieden nach…!“ Gerade in Krisenzeiten wie diesen kann uns das Liebesgebot helfen, dass wir stärker aufeinander achten und uns nicht hinter irgendwelchen Parolen oder Verschwörungstheorien in die Irre führen lassen.

Übrigens begegnet uns in diesen Tagen die Ampel mit ihren alarmierenden Farben wieder ganz neu. Die Corona-Ampel zeigt uns das Risiko an und somit, welche persönlichen Vorsichtsmaßnahmen aktuell besonders wichtig sind. Zum Schutz für mich und meinen Nächsten. Gelb bzw. orange warnen uns achtsam zu sein, bei Rot ist Einhalt geboten und das Grün zeigt uns hoffnungsvoll, dass das Leben weitergeht.

Einen gesegneten Sonntag,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.   

Worte aus der Quarantäne – ‪16.11.2020‬

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr. 3. Mose 19,18

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Hebräer 13,1-2

Als es in unserem Fernsehgottesdienst für das ZDF um das Thema Gastfreundschaft ging, erzählte ich der Rundfunkbeauftragten die Geschichte von diesem jungen Mann, der sich in der Osternacht barfuß und mit zerschlissener Kleidung an unserem Osterfeuer wärmte. Wir gaben ihm zu Essen und zu Trinken und auf sein Bitten hin richteten wir ihm auch ein Bett für die Nacht. Als ich am nächsten Morgen nach ihm schauen wollte, war das Bett leer und auf der Bettdecke lag ein kleiner Zettel mit dem Vers unseres heutigen Lehrtextes: „Seid gastfreundlich, so haben einige ohne ihr Wissen einen Engel beherbergt!“ Dieser Satz ging mir nach und er kommt mir immer wieder in Erinnerung, wenn Menschen an unserer Tür stehen und Hilfe suchen. Und auch Jesu Worte setzen sich in mir fest, wenn er sagt: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen…!“ Matthäus 19, 42f

Wer kann schon mit Sicherheit sagen, wen er vor der Tür abweist oder hilft? Wer kann das schon wissen, ob er/sie nicht selbst einmal in eine Lage kommt, in der man selbst auf fremde Hilfe angewiesen ist? Wer möchte schon auf den Engel verzichten, der uns im Leben begegnet, begleitet und uns auf die wirklich wichtigen Momente hinweist? Engel sind keine mystischen Flügelgestalten. Engel sind Boten Gottes, die uns etwas sagen wollen über Gott und diese Welt, über uns und unser Leben.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

    

Worte aus der Quarantäne – ‪14.11.2020‬

Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief. Psalm 92,6

Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann, dem sei Ehre und ewige Macht! Amen. 1. Timotheus 6, 15-16

Wenn man seit 14 Tagen in Quarantäne und Isolation lebt, wächst die Aufmerksamkeit für das Detail. Man fängt an zu räumen und zu ordnen. Man achtet stärker auf sein Umfeld, auf die Sterne und den Mond in der Nacht, auf die Sonne des Tages, auf die Bäume vor dem Haus, auf die Blumen in den Balkonkästen… Gottes Werke sind groß und weise geordnet. In der Tiefe entdecken wir in diesen Bildern die Schönheit und Kraft seiner Schöpfung und was sie uns sagen will.

Der Wiener Maler Gustav Klimt erhielt von der Baronin Sonja von Knips den Auftrag, ein Portrait von ihr zu erstellen. Äußerlich gesehen war sie keine Schönheit. Sie war von einem harten Leben gezeichnet, litt unter Depressionen. Der Künstler beobachtete sie lange; denn er wollte keine Momentaufnahme, sondern ihr wahres Bild malen. Auf dem fertigen Bild schien jemand anderes abgebildet zu sein. Man sah nämlich eine schöne Frau mit einer kraftvollen Ausstrahlung. Die Baronin hängte das Portrait im Wohnzimmer an eine gut sichtbare Stelle auf. Als der Künstler sie ein paar Jahre später besuchte, staunte er. Sie sah aus wie die Frau auf dem Bild. Sie hatte sich unbewusst durch das wiederholte Betrachten des Bildes immer mehr in dieses Bild verwandelt.

Lassen auch wir uns von den Bildern unserer Zeit berühren und anstecken. Das Leben geht weiter, das Leben ist schön und jeder Tag ist es wert gelebt und geliebt zu werden.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und den Blick für das Detail,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

    

Worte aus der Quarantäne – ‪13.11.2020‬

Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen. Jesaja 44,3

Euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. Apg. 2,39

Na? Wie halten Sie es mit dem „Freitag den 13.“? Gehören Sie auch zu denen, die diesem Tag besonders viel Pech und Unglück zuordnen? Da sollte der rechte Fuß zuerst aus dem Bett aussteigen. Da gilt es die schwarze Katze auf der Straße zu ignorieren. Da heißt es die Leiter auf dem Fußweg zu umrunden… Es gibt Hotels, welche die Zimmernummer 13 überspringen. Ja, in manchen Hochhäusern kommt nach der 12. gleich der 14. Etage, weil sich die Wohnungen sonst schwerer vermieten lassen. So manch einer bleibt heute zu Hause, um das Risiko zu mindern. Keine schlechte Idee in Zeiten wie diesen…

Wussten Sie auch, dass Auswertungen von Unfalldaten genau das Gegenteil beschreiben? An Freitagen mit dem Datum „13“ geschehen weniger Unfälle als sonst im Jahr! Eine Untersuchung des ADAC ergab für das Jahr 2009 an den besagten Freitagen im Durchschnitt nur 894 Unfallmeldungen, während der Durchschnitt sonst bei 975 liegt. Auch Versicherungen bestätigen diesen Trend, dass die Schadensmeldungen an Freitagen mit der „13“ im Kalender geringer sind als sonst. Vermutlich sind wir Menschen an einem „Freitag den 13.“ vorsichtiger als sonst. Offensichtlich liegt ein Segen auf diesem Tag und die Verheißung unserer Losung begleitet uns dabei. Unser Durst wird gestillt. Unser Geist wird gestärkt. Gottes Segen liegt auf diesem Tag, wohl denen, die darauf vertrauen.

Einen spannenden Tag wünscht Ihnen heute,
Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.    

    

Worte aus der Quarantäne – ‪12.11.2020‬

Wir, dein Volk, die Schafe deiner Weide, danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für. Psalm 79,13

So lasst uns nun durch Jesus Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Hebräer 13,15

Da ist es wieder, das Bild vom Hirten und seiner Herde. Ich kenne es von vielen Hausbesuchen bei Gemeindegliedern, als Wandgemälde, gestickter Küchenvorhang oder auch als Grußkarte auf dem Stubenbuffet: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…!“ (Psalm 23) Ich gebe zu, es bringt etwas Bequemes mit sich, in einer Herde mitzulaufen zu können und sich um nichts kümmern zu müssen. Alles wird für einen getan, ich brauche nur „treu“ zu folgen. Auch Hitler hat sich gerne mit seinem Schäferhund als Führer abbilden lassen, dieses Bild hing auch eine gewisse Zeit in vielen Stuben und Wohnungen. Doch leider lehrt uns die Geschichte, dass das blinde Folgen hinter einer vermeintlichen Führergestalt nie gut ausging. Die Folgen des Faschismus bzw. Nationalsozialismus sind katastrophal und ich kann nicht verstehen, wie man diese Zeiten und diese Politik heute noch gutheißen kann. Diese Diktatoren wollen nichts Gutes und man darf ihnen nicht auf den Leim gehen.

Im Lehrtext von heute ist von einem „Lobopfer“ die Rede. Von ihrer jüdischen Religion her kannten die damaligen „Judenchristen“ noch das „Opfer“ im Tempel, dass Gott zum Dank und zur Verehrung entgegengebracht wurde. Auch im dritten Reich waren „Verehrung“ und „Opferbereitschaft“ ein ständiges Thema. Und genau hier wird der Unterschied deutlich, den selbsternannte irdische Führer vom guten Hirten aus der Bibel unterscheiden. Jesus will keine Opfer, sondern er gibt sich selber hin als Opfer für diese Welt, um zu versöhnen. Er lässt sich nicht tragen, sondern er trägt. Nicht mit Hass, Terror, oder Leid regiert der gute Hirte, sondern mit Liebe, die jeden Mensch im Blick behält, egal welcher Nationalität, welchem Stand oder Herkunft. Und dieser unser guter Hirte möchte auch nicht, dass wir nur blind hinterherlaufen, sondern dass wir in seinem Namen Verantwortung übernehmen, damit diese Welt auch durch uns jeden Tag ein wenig besser und liebevoller wird. Bekennen wir mit unseren Lippen unseren Glauben und leben ihn in dieser unserer Welt.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.