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Worte zum Tag – ‪28.03.2020‬ (Samstag) Humor

Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. (Psalm 147,11 Losung)
Jesus spricht: Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. (Markus 3,35 Lehrtext)

Stellt hier Jesus den Familienzusammenhalt in Frage? Nur wer den „Willen Gottes tut“ gehört dazu? Ich glaube Jesus spricht hier mehr von einer Glaubensgemeinschaft, so wie wir auch von „Geschwistern im Herrn“ sprechen. Die Treffen mit meiner Gemeinde und auch mit den ökumenischen Glaubensgeschwistern fehlen mir schon. Wir führen zwar unzählige Telefonate in diesen Tagen, um die Kontakte und die Kommunikation aufrecht zu erhalten, aber die persönliche Begegnung, der Händedruck, eine Umarmung fehlen schon. Und mir fehlen der Witz und der Charme, mit dem man sich begegnet. Humor unter Geschwistern gehört dazu, man will was zum Lachen haben gerade in ‪dieser so‬ ernsten Zeit. Von meinem Bruder bekomme ich öfter mal eine Karikatur oder einen Witz zugeschickt, der auch den Corona-Virus aufs Korn nimmt. Ein Kollege vom Lande schrieb mir: „keiner weiß besser mit leeren Kirchenbänken umzugehen als wir Pfarrer hier in der ehemaligen DDR!“ Unzählige Videos, Bilder und Begebenheiten zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, und das ist gut so.

„Humor stärkt den Glauben in der Not!“ schreibt Dietrich Bonhoeffer. Er erinnert mich dabei an einen alten Witz aus Zeiten des dritten Reiches: Der NSDAP-Parteisekretär des Dorfes marschierte zu Beginn des Gottesdienst nach vorne und sprach zu der versammelten Gottesdienstgemeinde: „Alle, die nicht arisch sind, verlassen jetzt hier augenblicklich unseren Gottesdienst!“ Es wurde still. Ein Geräusch von Metallteilen auf dem Steinfußboden war im Chorraum zu hören. Jesus stieg vom Kreuz, schritt mit gesenktem Haupt an der Gemeinde vorbei und verließ zum Entsetzen der Gemeinde das Gotteshaus.

Die Tränen des Leides werden sich in Freudentränen verwandeln sagt die Bibel. „Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen!“ schreibt Lukas im 6. Kapitel. Ich freue mich schon jetzt auf die ersten Treffen hier mit der Gemeinde, mit den Gästen und auch mit unseren ökumenischen Glaubensgeschwistern. Ich freue mich auf das „Osterlachen“, vielleicht gibt man sich nicht gleich die Hand und drückt sich nicht wie gewohnt, aber so ein „Pustekuss“ oder ein „Fußstupser“ an der Kirchentür sind bestimmt auch ganz lustig.

PS „Glaube und Humor“ – ist Thema des diesjährigen Kirchentages der ELKI im Oktober in Rom und schon heute im „Wort zum Sonntag“ auf RAI ‪20.20 Uhr‬ nach der Tagesschau. Erzählen und schreiben Sie sich untereinander Witze. Lassen Sie sich heute schon einen schönen Aprilscherz einfallen. Lachen reinigt die Seele!

Worte zum Tag – 27.03.2020 (Freitag) Herz

Es ist das Herz ein trotzig und verzagtes Ding; wer kann es gründen? Ich, der Herr, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun. (Jeremia 17, 9-10 Losung)

Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können vor ihm unser Herz überzeugen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge. (1. Joh 3,19-20 Lehrtext)

Meine Frau fragte mich gestern, warum die biblischen Worte manchmal so kompliziert und schwer verständlich sind. Man könnte so manches mit eigenen Worten viel einfacher ausdrücken. Recht hat sie, und doch finde ich es sehr spannend, was in den alten Worten verborgen ist, was wir nicht im ersten Moment des Lesens erfassen. Es lohnt sich also die Losung und den Lehrtext über das Herz heute ruhig noch einmal zu lesen.

„Trotzig und verzagt…“, unergründlich, überzeugend, verdammt…! Unser Herz ist in der Tat ein besonderes Organ, dass wir nicht nur körperlich funktional zum Leben brauchen. Dem Herz messen wir viel mehr als nur ein „Funktionieren eines Muskels“ bei, im Herzen wird „gut und böse“ abgewogen, das Herz empfindet, spürt, sieht, fühlt und manchmal spricht es auch mit uns. Das Herz liebt! „Im Herzen wohnt Gott!“ heißt es im Volksmund. Doch wenn das Herz nicht mehr schlägt, verschwindet nicht Gott mit uns, sondern wir verschwinden mit ihm. Dieser Trost sei all jenen zugesprochen, die in diesen Tagen einen lieben Menschen verlieren. Diese Zusage sei all jenen gesagt, die Gott suchen und ihm begegnen. Wenn Gott zu unseren Lebzeiten ein „Zu Hause“ in unseren Herzen findet, so können auch wir einst bei ihm „Heimat“ finden.

Das Herz es schlägt und bewegt, ohne zu fordern.
Es arbeitet und wirkt, ohne zu behalten.
Das Herz es führt und leitet, ohne zu beherrschen.
Es fühlt und schenkt, ohne zu berechnen.

Darin liegt das Geheimnis von Gelassenheit und Herzlichkeit. Das Herz schlägt und arbeitet am besten dann, wenn wir es einfach machen lassen und fröhlich dem Tag entgehen gehen. Mit Herzlichkeit, Barmherzigkeit und Gottvertrauen können wir in diesen Tagen Menschen helfen, gut durch diese Zeiten zu kommen. Oft zeigt uns unser Herz dabei die Fülle und Schönheit unseres Lebens. Es ist mir eine Herzensangelegenheit heute all jenen noch einmal zu danken, die in diesen schwierigen Zeiten dem Leben dienen und mit Herz und Verstand für andere da sind!

Tipp für das Wochenende: Planen Sie Ihren nächsten Urlaub. Erkundigen Sie sich wo die Reise hingehen könnte. Hören Sie auf Ihr Herz, machen sie Pläne für die Zukunft und träumen Sie von alten und neuen Zielen.

Worte zum Tag – 26.03.2020 (Donnerstag) Taxifahrt

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19 Losung)

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.

(2. Korinther 7,10 Lehrtext)

Kennen Sie dass, wenn einen Schuldgefühle plagen und man nicht so richtig weiß wie man damit umgehen soll? Die Verkäuferin an der Kasse, die mir zu viel Wechselgeld rausgibt, der Kellner, der eine Bestellung nicht mit abrechnet, die Fahrtkarte die ich zu entwerten vergessen habe…! Schuld und Schuldgefühle unterscheiden sich. Ich lade immer Schuld auf mich, weil keiner perfekt sein kann. Es gibt so viele Dinge die ich noch tun könnte oder müsste, aber ich habe mich eingerichtet im Leben und für manche Dinge verschließe ich einfach meine Augen. Schuld und Schuldgefühle sind nicht dasselbe. Schuldgefühle kann ich ablegen, in dem ich mit jemandem darüber rede, in dem ich das Geld zurückgebe, oder indem ich den das Versäumnis korrigiere. Schuld hingegen hat mit meinem Inneren zu tun, Schuld spüre ich, wenn ich in Gefahr gerate, etwas Entscheidendes in meinem Leben zu versäumen, wie dieser junge Taxifahrer:

Ein Taxifahrer wurde eines Tages zu einer Adresse gerufen. Er hupte einmal, er hupte zweimal und eigentlich wollte er schon wieder losfahren, denn er hatte gleich Feierabend.

Doch dann stieg er aus dem Auto und klopfte an die Tür des kleinen Hauses. Eine alte gebrechliche Stimme sagte: „Bitte, einen kleinen Augenblick noch!“ Wieder verging eine lange Zeit, in der der Taxifahrer am liebsten davongefahren wäre, aber dann ging die Tür auf und eine alte Dame im Blümchenkleid mit Hut und einem alten Lederkoffer erschien. Hinter ihr sah der Taxifahrer mit Tüchern abgedeckte Möbel, nackte Wände, eine leere Wohnung. „Bitte, tragen sie mir doch den Koffer zum Auto…“ unterbrach sie die Gedanken des Fahrers und hakte sich in seinem Arm ein. Sie bedankte sich für die Hilfsbereitschaft und der Fahrer erklärte ihr, dass er alle Fahrgäste so behandeln würde, so, als wären sie die eigene Mutter. Als die alte Dame ihre Zieladresse angab, fragte sie, ob die Fahrt nicht durch die Innenstadt gehen könne und der Fahrer erklärte ihr, dass dies ein riesengroßer Umweg sei. Doch als sie ihm erklärte, dass ihr Ziel das „Hospiz“ und die Zeit für sie kein Problem sei, fuhr er sie an viele unterschiedliche Orte der Stadt. An manchen Orten sprach sie von den Stationen ihres Lebens, an anderen schwieg sie und war in Gedanken in einer anderen Zeit. Die Fahrt ging durch die ganze Nacht und sie fühlte sich wie eine Lebensreise an. Als die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont schienen, kamen sie zu ihrem Ziel, einem kleinen Haus das eher an ein kleines Ferienhaus erinnerte. Zwei Pfleger kamen ihr mit einem Rollstuhl entgegen und als die Dame zufrieden mit einem Lächeln das Taxi bezahlen wollte, winkte der Fahrer ab und bedankte sich für die Reise. „Wenn ich an diese Fahrt denke…“, so der Taxifahrer, „glaube ich, dass ich selten etwas Wichtigeres im Leben getan habe, als in dieser Nacht!“

In unserem hektischen Leben legen wir soviel Wert auf die großen, bombastischen Momente. Alles muss höher, schneller und weiter gehen, dabei sind es die kleinen und stillen Momente die wirklich zählen. Für diese kleinen und schönen Momente sollten wir uns viel mehr Zeit und Geduld nehmen, dann sehen und erkennen wir das Leben. Das sind wir unserem Leben „schuldig“!

PS Vielleicht würden sich unsere Kinder und Enkelkinder freuen, wenn wir besondere Momente unseres Lebens auf Papier bringen könnten, um ihnen Anteil an unserem Leben zu geben…

Worte zum Tag – 25.03.2020 (Mittwoch)

Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! Und ein Bildwerk spräche von seinen Bildern: Er versteht nichts! (Jesaja 29,16 Losung)

Alle miteinander bekleidet euch mit Demut.
(1. Petrus 5,5 Lehrtext)

Ein Töpfer formte Tierfiguren für eine Schale aus Ton. Als er gerade ein Lamm geformt hatte, dachte er so bei sich, „nun sitze ich hier so einsam und allein in meiner Werkstatt, was habe ich nur aus meinem Leben gemacht?“ Da sprach das Lamm das er gerade geformt hatte zu ihm: „Wie sollte denn dein Leben aussehen?“ Überrascht über die Stimme des Lamms, das auf einmal sprechen konnte antwortete er: „Na vielleicht so wie das meines Nachbarn, dem Kaufmann, er ist reich und genießt Achtung und Ansehen im ganzen Ort.“ Ehe er sich versah, steckte er selbst in Kaufmannskleidung und stand in einem großen prächtigen Haus und diskutierte mit Händlern, Steuereintreibern und Advokaten. Ach, dachte er sich so, dieser Ärger, wenn ich doch auch so ein Beamter für Steuern im Reich wäre, ich hätte mein Einkommen ohne Sorgen. Und ehe er sich versah trug er die teure Kleidung eines Beamten, spürte aber den Ärger und die Anfeindungen der Leute. So wünschte er sich nichts sehnlicher, als ein großer Herrscher zu sein, für den andere arbeiteten und ihm den Ärger abnahmen. Noch bevor er diesen Traum zu Ende gedacht hatte, lag er in einem prachtvollen Palast, umgeben von vielen Soldaten und Beamten die ihn schützten. „Das ist ja wie im Gefängnis…“, dachte er so bei sich, „wenn ich doch wieder die alte Freiheit wie früher genießen könnte!“ Und nur wenige Augenblicke später saß er wieder an seiner Töpferscheibe in seiner Werkstatt, betrachtete das Lamm und freute sich an seinem Leben.

Wer sind wir und was haben wir aus unserem Leben gemacht? Die Tage der Einkehr helfen uns zum Innehalten und Nachdenken. Unser „Töpfer und Schöpfer“ hat unser Leben mit Gaben und Fähigkeiten reich beschenkt, doch was machen wir daraus und woran orientieren wir uns? Wir „bekleiden“ uns selten mit „Demut“ und Bescheidenheit. Wir wollen das Leben in vollen Zügen genießen und geben uns gerne als andere aus, die wir in unseren Herzen nicht sind und auch nicht sein müssen. Zurück zum Wesentlichen, zurück zum Eigentlichen, das wünsche ich uns in diesen Tagen, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

Ob Töpfer, Fotograf oder Maler, die ersten Kunstwerke die hier bei uns eingegangen sind versprechen viel Kreativität und Begabung!

Bild „Schäfchen“ :Clara aus Göttern (12 Jahre)

Bild „Landschaft „ Samuel aus Meran (6 Jahre)

Worte zum Tag – 24.03.2020 (Dienstag) Hausarrest

Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken. (Psalm 145 Losung)

Darum lassen auch wir nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht. (Kolosser 1,9 Lehrtext)

„Ich bete für Dich!“ Diese Worte liegen mir noch immer tröstlich im Ohr. Als ich 1989 zu einer Tumor-Operation ins Krankenhaus musste gab mir eine ältere Dame aus der Gemeinde diese Zusage mit auf den Weg. Diese Worte klangen in mir nach und bewegten meine Gedanken im Krankenbett: „da betet jemand für dich!“ Mich haben diese Worte gestärkt und mir geholfen diese schwere Zeit zu überstehen. Und sie haben mein Denken und mein Leben verändert, so dass ich heute auch Menschen in mein Gebet einschließe: Die junge Frau, die ihren Vater verloren hat…, das Ärzteehepaar, dass sich bei Patienten angesteckt hat…, der Pfleger, der sich täglich der Gefahr aussetzt…. Jeden Tag zum Mittagsgeläut um 12 Uhr und zum Abendgeläut um 18 Uhr gehe ich in die Christuskirche und bete für diese Menschen, die mir am Herzen liegen. Ich entzünde dabei eine Kerze als Zeichen der Hoffnung und warte auf Gottes Antwort auf meine Bitten und Fragen.

Auf einem Anrufbeantworter hörte ich in den Andachtsworten einer Kollegin die Frage, ob die Menschheit nicht bewusst „in Hausarrest“ geschickt wurde. „Geh in dein Kinderzimmer und denke darüber nach, was du falsch gemacht hast!“ Über Fehler und Versagen nachdenken. Straft uns Gott? Verlangt Gott von uns in einer Auszeit über das Leben nachzudenken? Dieses Bild vom „Hausarrest“ bewegt mich, denn es erinnert mich auch daran, wie mich mein Vater oder meine Mutter dann später tröstend in die Arme nahm mir vergab.

Vielleicht regt uns Gott in diesen Tagen zum Nachdenken und Beten an: *wie den Paulus damals im Gefängnis, *wie den Noah damals mit seiner Familie auf engstem Raum, *wie den Hiob der damals unter Krankheit und Verlust so erbärmlich litt. Mit allen verbindet uns auch die Erfahrung, dass das Leben weitergeht und dass uns Gott in seiner Liebe wieder neue und bessere Zeiten schenkt. Darum bete ich heute auch für Dich, Ihr / Dein Pfr. Martin Krautwurst.

Worte zum Tag 23.03.2020 (Montag)

Herr, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles was darauf ist, die Meere und alles was darinnen ist. (Nehemia 9,6 Losung)

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. (Apg. 14,17 Lehrtext)

Seit nunmehr zwei Wochen schreibe ich diese „Worte zum Tage“, „Worte aus der Quarantäne“ um Menschen in diesen Tagen zu begleiten und ihnen Mut und Hoffnung zu geben. Meine Worte gehen an Menschen die in ihren Wohnzimmern allein und einsam sind, an Paare die sich um ihre Eltern oder Kinder sorgen, an Mütter und Väter die mit ihren Kindern auf engem Raum leben und nicht wissen wie sie diese Tage in „Quarantäne“ bewältigen sollen. Meine Worte richten sich an Mutige und Ängstliche, an Verzweifelte und Hoffnungsvolle, an dich und mich…!

Der Begriff „Quarantäne“ leitet sich vom italienischen Wort „quaranta“ ab, von der Zahl „vierzig“. Es war eine der ersten Zahlen, die ich mir im Italienischkurs einprägen konnte. Ende des 14. Jahrhunderts war es in Venedig und anderen italienischen Häfen üblich, dass „seuchenverdächtigen Ankömmlingen“ die Einfahrt in den Hafen verwehrt wurde und sie erst „quaranta giorni“ (vierzig Tage) isoliert sein mussten, damit sie keinen anstecken konnten. Vierzig Tage auf einem Schiff mit dem Blick auf die Freiheit, das macht etwas mit uns Menschen. Prediger kamen schon damals ans Ufer zu den Schiffen, sangen und beteten mit den „Isolierten“. Sie baten um Gottes Nähe und Beistand, denn die Zeit so vieler Menschen auf so engem Raum, war nicht ungefährlich. Und dann durften sie das Festland endlich betreten und der Gang war für sie wie ein Schritt ins Paradies.

Was geschieht in diesen Tagen im „Himmel und auf Erden“, was macht diese Zeit mit uns? Heute hier, morgen dort, unsere Welt verändert sich und sie wird künftig nicht mehr so sein wie sie einst war. Aber wir werden mit den Veränderungen leben können und trotz aller Entbehrungen und Verluste dürfen wir getrost in die Zukunft schauen, es kommen wieder neue „fruchtbare Zeiten“. Der Blick auf das Wesentliche, das Loslassen von nicht unbedingt Nötigem, die Sehnsucht nach Nähe und Normalität wird wieder Einzug halten, davon bin ich überzeugt. Trotz neuer Distanzen wird die Nähe zu Gott wachsen. Wertigkeiten verändern sich, der Gang in die Natur, zum Konzert, ins Theater, zum Gottesdienst oder wohin auch immer wird paradiesisch sein. Eine „Freude in meinem Herzen“ wird der Moment sein, in dem ich meine Kinder und Enkel wieder in die Arme schließen kann!

Bleiben Sie in Vorfreude, bleiben Sie behütet und gesund, Ihr Pfr. Martin Krautwurst

Worte zum Tag – ‪22.03.2020‬ (Sonntag) Schatzsuche

Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart. (Daniel 2,28 Losung)

In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (Kolosser 2,3 Lehrtext)

Als ich 1991 mit einem Hilfstransport in der Region um Tschernobyl unterwegs war, besuchte ich die russisch-orthodoxe Kirche in Krasnopolje. Mit Pater Alex Andrej dem zuständigen Geistlichen, verstand ich mich trotz der Sprachbarrieren sehr gut. Auf die Frage, wie wir in der schweren Zeit den Menschen in den verseuchten Zonen helfen könnten sagte er nur ein Wort: „Bibeln“. Das wunderte mich zuerst, denn ich wusste, dass in der ehemaligen Sowjetunion die Religion mit allen Mitteln bekämpft wurde, stärker noch als in der ehemaligen DDR. Viele hatten sich von ihrer Kirche abgewendet. Wieder zurück in Deutschland bestellte ich 100 Bibeln in russischer Sprache. Ein Exemplar ging zur Prüfung an den zuständigen Patriarchen nach Minsk, die anderen Bücher packte ich zusammen mit russischen Kinderbibeln in mein Reisegepäck.
Als wir ein halbes Jahr später wieder zu einem Weihnachtstransport vor Ort waren, hatte sich die Geschichte um die Bibeln in den umliegenden Dörfern schnell rumgesprochen. Früh am Morgen, noch vor dem Aufstehen, bildete sich bei eisiger Kälte eine lange Schlange von alten Mütterchen vor der Holzhütte in der ich schlief. Ich verteilte die Bibeln an die Frauen und erlebte sehr bewegte Szenen großer Dankbarkeit. Die Bibeln reichten bei weitem nicht aus und in der Folgezeit bekam wohl jede Familie ihre eigene Hausbibel. „Lesen sie denn auch darinnen?“ fragte ich den Pater der Gemeinde. „Oh ja, jeden Tag…“. Und nun erzählte mir Alex Andrej von den schlimmen Verfolgungen und Hausdurchsuchungen in der Zeit des Stalinismus. Die Alten lasen den Kindern in ihren Hütten heimlich daraus vor, einige zeigten uns ihre Verstecke im Kamin, im Mauerwerk und unter den Holzdielen. Viele erfuhren in diesen Zeiten wegen ihres Glaubens schlimme Repressalien, die Heilige Schrift aber erlangte in dieser Zeit um so größeren Wert.
Viele biblische Geschichten erzählen vom Leid und den Sorgen der Menschen und wie ihnen der Glaube über die schweren Zeiten von Einsamkeit, Verfolgung und Isolation hinweggeholfen hat. Im Glauben liegen unbeschreiblich wertvolle „Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ die vielen Menschen große Hilfe sein kann, wenn sie sich auf die Suche machen. Ich lade Sie ein, sich heute am Sonntag mal auf eine Schatzsuche zu begeben. Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart. (Daniel 2,28) Lesen Sie mal im Neuen Testament das Lukasevangelium und die dazugehörige Apostelgeschichte. Oder lassen Sie mal die Josephsgeschichte (Genesis, 1. Mose, 37-46) im Alten Testament auf sich wirken und entdecken Sie Parallelen zu unserem Leben. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag,
Ihr Pfr. Martin Krautwurst.

PS. Eine kleine Schatzsuche für Kinder in den eigenen vier Wänden kann auch zu einem Familienevent werden. Kleine Zettel mit Fragen für die Kleinen versteckt, deren Antworten zum nächsten Ziel führen, mein Enkel Emil liebt es noch immer…