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Worte zum Tag – ‪15.05.2020‬ (Freitag) Frühlingsschrei (Schluss)

Der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not. (5. Mose 26,7 Losung)

Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? (Lukas 18,8 Lehrtext)

„Alles, was in der letzten Zeit schwer und bedrückend gewesen war, lag nun hinter ihnen, und sie nahmen sich vor, es zu vergessen, nie mehr daran zu denken. „Ronja“, sagte Birk, „begreifst du, dass wir frei sind? So frei, dass man vor Lachen platzen könnte?“ „Ja, und hier ist unser Reich“, sagte Ronja. „Keiner kann es uns nehmen und uns daraus vertreiben.“ Sie blieben am Feuer sitzen, während die Sonne stieg, und unter ihnen rauschte der Fluss, und ringsum erwachte der Wald. Die Baumwipfel wiegten sich sachte im Morgenwind, der Kuckuck rief, irgendwo in der Nähe hämmerte ein Specht an einem Kieferstamm, und drüben am Fluss trat eine Elchfamilie aus dem Wald. Und da saßen sie beide, und ihnen war, als gehöre ihnen all dies, der Fluss und der Wald und alles Leben, das es dort gab. „Halt dir die Ohren zu, denn jetzt kommt mein Frühlingsschrei“, sagte Ronja. Und sie schrie, dass es von den Bergen wiederhalte“

In dem Kinderbuchroman „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren steigt das junge Räubermädchen in den ersten Frühlingstagen auf einen Felsvorsprung und schreit sich den Winter aus der Kehle. „Frühlingsschrei“ nennt sie das, ich kann ihr es gut nachfühlen. Mit den Kindern der Gemeinde habe ich das mal probiert, das hilft wirklich. Unser schönes Südtirol bietet ja genug Möglichkeiten, wunderbare Berge und Felsen, um diesen Frühlingsschrei zu starten. Altes belastendes endlich loswerden, dass passt gut in unsere Tage. „Schreien“ befreit, heißt es in der Psychologie. In „Elend, Angst und Not“ seinen Gefühlen Raum zu geben tut gut, egal ob es herausgeschrien, erzählt oder niedergeschrieben wird. „Sich etwas von der Seele schreien, reden oder schreiben…“, altes ablegen und zurücklassen, das macht Platz für neues. Ich wünsche Ihnen eine gute neue Zeit, bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit in den letzten Wochen und vertraue auf „Gottes schützenden Segen“, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

Worte zum Tag – ‪14.05.2020‬ (Donnerstag) ENT/TÄUSCHUNG

Meint ihr, dass ihr Gott täuschen könnt, wie man einen Menschen täuscht? (Hiob 13,9 Losung)

Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? (2. Kor. 13,5 Lehrtext)

In einer meiner ersten Trainingsstunden im Fußballverein ging es um die Täuschungen im Spiel, besser gesagt um das „Antäuschen“ mit dem Ball. Um den Gegner in die Irre zu führen, spielte ich den Ball rechts – und lief selbst links – am gegnerischen Spieler vorbei. Dieses Täuschungsmanöver hat fast immer funktioniert, zum Leidwesen meiner Gegner.
Täuschen, Antäuschen, Vortäuschen, Enttäuschen…, in allen diesen Worten ist der Begriff „Tausch“ enthalten, ich tausche etwas ein: Tatsachen gegen Scheinbares, Realität gegen Unreales, Vertrauen gegen Misstrauen…

Zwei Freunde wanderten durch die Wüste. Während der Wanderung kam es zu einem Streit und der eine schlug dem anderen im Affekt ins Gesicht. Der Geschlagene war gekränkt und enttäuscht. Ohne ein Wort zu sagen, kniete er nieder und schrieb folgende Worte in den Sand: „Heute hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen.“ Sie setzten ihre Wanderung fort und kamen bald darauf zu einer Oase. Dort beschlossen sie beide, ein Bad zu nehmen. Der Freund, der geschlagen worden war, blieb auf einmal im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken. Aber sein Freund rettete ihn buchstäblich in letzter Minute das Leben. Nachdem sich der Freund, der fast ertrunken war, wieder erholt hatte, nahm er einen Stein und ritzte folgende Worte hinein: „Heute hat mein bester Freund mir das Leben gerettet.“ Der Freund, der den anderen geschlagen und auch gerettet hatte, fragte erstaunt: „Als ich dich gekränkt hatte, hast du deinen Satz nur in den Sand geschrieben, aber nun ritzt du die Worte in einen Stein. Warum?“ Der andere Freund antwortete: „Ich habe Sand und Stein wegen der Vergänglichkeit getauscht. Wenn uns jemand gekränkt oder beleidigt hat, sollten wir es in den Sand Schreiben, damit der Wind des Verzeihens es wieder auslöschen kann. Aber wenn jemand etwas tut, was für uns gut ist, dann können wir das in einen Stein gravieren, damit kein Wind es jemals löschen kann.“

Eintauschen, Austauschen, Vertauschen…, was könnten wir Gott schon anbieten oder entgegensetzten, was er nicht schon wüsste oder hätte. Allein unseren Glauben und unsere Liebe können wir Gott zum Tausch anbieten. Wenn wir Gott gegenüberstehen, sind wir immer Nehmende und Beschenkte: „Der Herr hat‘s gegeben und der Herr hat‘s genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“ Einen gesegneten Tag, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

Worte zum Tag – ‪13.05.2020‬ (Mittwoch) Hoffnung

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. (1. Könige 8, 39 Losung)

Unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort. (2. Thess. 2,16-17 Lehrtext)

„Gute Hoffnung durch Gnade…“? „Die Hoffnung stirbt zuletzt…“? Auf was hoffen wir? Was schenkt uns Hoffnung? Das Lexikon beschreibt „Hoffnung“ als ein „Vertrauen in die Zukunft“; oder als eine „Zuversicht bzw. den Optimismus in Bezug auf das, was die Zukunft bringen wird…“ Es ist die Erwartung, auf das, was kommt. Es ist unsere positive Einstellung, mit dem Umzugehen, was und das Leben vor die Füße legt.

Ein störrischer Müller hatte einen alten Esel, der ihm schon viele Jahre treu gedient hatte. Das „Grautier“ war nur wenig störrisch, im Unterschied zu seinem Herrn. Er hatte im Laufe der Zeit viele Lasten der Mühle getragen und wurde nun träge. „Es wird nicht mehr lange dauern“, dachte der geizige Müller, „dann werde ich mir einen jüngeren zulegen müssen.“ Doch dann kam dieser graue Novembertag. Nebel bedeckte das Land, und der Esel bemerkte nicht, wie er vom Wege abkam. Er stürzte in den Schacht eines alten Brunnens. „Mein Herr wird mich doch hier nicht verhungern lassen“, dachte der alte Esel. Und so wartete der Esel auf die Hilfe seines Herrn.

Dem Müller kam das Unglück wohl nicht ungelegen. Der Esel war alt und gebrechlich, lange hätte er die Säcke eh nicht mehr schleppen können und dann lag er ihm nur noch auf der Tasche. Und der alte Brunnen sollte auch längst zugeschüttet werden, weil er kein Wasser mehr gab. Und so begann er den Schacht mit Erde zu füllen. Der Esel war irritiert, warum schaufelt der Müller Erde hinab, soll dieses Loch mein Grab werden? Doch dann schöpfte er Hoffnung, ihm kam der Gedanke, dass hinter allem ein tieferer Sinn liegen musste, und so schüttelte er sich und trampelte fest mit den Hufen. Je mehr Erde hinabfiel und je mehr Erde er abschüttelte und festtrampelte, so heller wurde es um ihn herum. Nach vielen Stunden mühseliger Arbeit sah der Esel wieder das Tageslicht. Der Bauer schaute nicht schlecht, als der Esel wieder vor ihm stand. Doch weil er keine Freude ausstrahlte, sprang der Esel über den Brunnenrand und suchte das Weite.

Im Leben werden wir immer wieder mit Dreck beworfen und beladen. Die Weisheit des Lebens ist es, sich gut zu schütteln, festen Boden unter den Füßen zu finden und die Chance zu suchen, aus jedem noch so tiefen Loch wieder heraus zum Licht zu finden. Es gibt immer einen Weg, eInen gesegneten Tag wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

Worte zum Tag – ‪12.05.2020‬ (Dienstag) Gerechtigkeit

Der Herr sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehe, was gut und böse ist. (1. Könige 3,5.9 Losung)

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, so dass ihr prüfen könnt, was das Beste sei. (Phil. 1, 9-10 Lehrtext)

König Salomo gilt als ein gerechter und intelligenter König. Das „salomonische Urteil“ hat sich in unseren Sprachgebrauch als eine Bezeichnung für „fair und weise“ eingeprägt. Es ist schön zu wissen, dass ein König um „Gottes Beistand“ und um die Gabe eines „gehorsamen Herzes“ für ein „gerechtes Herrschen“ bittet. Das wünscht man sich für alle, denen Macht und Verantwortung übertragen wird. Leider regieren auch heute noch viele selbstgerecht und eigensinnig. Verstehen und unterscheiden können, was „gut und böse“ ist, meint eben nicht, dass man einem Volk nach dem Munde redet. Es gibt auch unliebsame Entscheidungen, die in Weitsicht dem ganzen Volke dienen. „Erkenntnis und Erfahrung“ spielen dabei eine wichtige Rolle.

Das was dem König Salomo ans Herz gelegt wird, meint einen jeden und eine jede von uns, denn wir alle tragen mehr oder weniger Verantwortung für andere, wenn auch in ganz unterschiedlichen Ebenen und Bereichen. Wie werde ich meinem Amt gerecht? Wo muss ich mich hinterfragen, korrigieren oder auch neu ausrichten? Vielleicht hilft es auch uns, Gott zu fragen und Gott um Einsicht zu bitten. Schon im Fragen und Bitten stellen wir uns und unser Handeln auf den Prüfstein. Hat nicht Jesus selbst gesagt, dass wir „den Vater in seinem Namen um alles bitten dürfen…“ (Joh. 16,23)? Sich Fehler einzugestehen ist kein Ausdruck von Schwäche, sondern von Stärke. Andere um Rat zu fragen ist kein Zeichen von Dummheit, sondern von Klugheit. Zu prüfen, was das Beste sei, bereichert unsere Liebe zum Leben. Einen gesegneten Tag, Ihr Pfr. Martin Krautwurst.

Worte zum Tag – ‪11.05.2020‬ (Montag) Gastfreundschaft

Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsre Väter haben’s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, von alters her. (Psalm 44,2 Losung)

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. (Lukas 10,39 Lehrtext)

Als Jesus ins Haus von Maria und Martha zu Gast kommt, wird deutlich, wie wichtig und bedeutend den beiden Schwestern der Besuch des Rabbis bei ihnen ist. Martha kommt sofort in geschäftiges Treiben. Sie räumt auf und deckt den Tisch, sie kocht und richtet alles liebevoll her, sie möchte es Jesus so schön und annehmlich wie nur möglich machen. Maria hingegen „setzt sich dem Herrn zu Füßen“ und hört ihm andächtig zu. Logisch, dass es zum Streit unter den beiden Frauen kommt. Wer kennt das nicht aus eigenen Erfahrungen, wenn die Verwandtschaft, Freunde oder der Chef zu Besuch kommen und die Arbeit an einem allein hängen bleibt. Und dann kommt Jesu Antwort auf die Frage, was er von dieser Ungerechtigkeit hält: „Maria hat den besseren Teil gewählt!“

An Maria und Martha streiten sich die Geister. Was braucht eine gute Gastfreundschaft und wo setze ich meine Prioritäten? Die schönsten und entspanntesten Erfahrungen mit Gastfreundschaft, waren in der Tat die, wenn unverhofft jemand zu Besuch kam und man improvisieren musste. Unvorhergesehenen Treffen haben etwas Spontanes, etwas Wirkliches, es kann nicht vorgegaukelt oder vorgetäuscht werden. Die Begegnung lebt aus dem Moment heraus, es wird keine große Mühe und keine Umstände vorausgesetzt, die vielen Gästen ja auch peinlich ist.

In Meran blüht heute die alte Gastfreundschaft wieder auf. Heute öffnen Restaurants und Cafés, in unserer Bar herrscht geschäftiges Treiben und das Eiscafé in der Straße darf endlich wieder den Eisbecher in die Hand verkaufen. Die Sonne scheint, die Passer rauscht, die Vögel zwitschern, so als wäre nicht gewesen. Nur die Masken, die Carabinieris und das Militär auf dem Theaterplatz erinnert uns daran, dass noch immer Vorsicht geboten ist. Genießen wir das Leben mit all dem, was wieder möglich ist. Gott gibt uns, was wir zum Leben brauchen, er lädt uns ein, so zu sein wie wir sind. Eine gesegnete Woche, Ihr Pfr. Martin Krautwurst.

Worte zum Tag – 10.05.2020 (Sonntag) Wertschätzung


Tu, was dir vor die Hand kommt; denn Gott ist mit dir. (1. Samuel 10,7 Losung)
 
Der Herr aber wird dir in allen Dingen Einsicht geben. (2. Timotheus 2,7 Lehrtext)
 
„Einsicht ist der erste Weg zur Veränderung!“ so heißt es im Allgemeinen. Doch ganz ehrlich, was wird sich verändern, wenn die sogenannte „Normalität“ wieder Einzug hält? Nehme ich mir noch die Zeit für einen Brief, das Telefonat oder den Kontakt zu denen, die sich vielleicht noch nicht wieder raustrauen? Tanze ich noch auf dem Balkon, lese, singe, höre oder schaue mir Dinge an, für die mir sonst immer die Zeit fehlte? Halte ich noch Kontakt im Gebet zu meinem Gott? oder sind mit meinen Ängsten und Sorgen auch der Wunsch nach Halt und Geborgenheit verflogen?
 
Eine Frau aus unserer Gemeinde bat mich, die „Worte zum Tag“ in einer kleinen Broschüre als Erinnerung an diese schwere Zeit zu bewahren. Ein Fotograf kam zu uns in die Gemeinde, weil er die Bilder dieser Zeit als historisches Dokument festzuhalten gedenkt. Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen versuchen zu dokumentieren, was wir aus der Pandemiezeit lernen und für das künftige Leben beachten sollten. Doch bei all dem sollten wir bedenken, dass man Gefühle und Emotionen nicht konservieren kann. Sie leben in dem Moment und aus der Situation heraus. Erinnern Sie sich noch an das gemeinsame Lied, die leuchtenden Kerzen im Fenster und das Glockengeläut in den ersten Wochen der Ausgangssperre?
 
Die Bilder von den patrouillierenden Carabinieris mit Mundschutz auf der Passerpromenade, dem kontrollierenden Militär auf dem Theaterplatz und den Schlangen vor den Supermärkten und Apotheken geraten früher oder später vermutlich in Vergessenheit. Die Bilder auf den Intensivstationen, die Särge auf den Militärfahrzeugen und die spärliche Trauergemeinde am Grab, irgendwann verschwinden sie aus unseren Köpfen. Und vielleicht ist das auch gut so, weil die Angst uns nicht nur warnt, sondern auch das Leben trübt, hemmt und verfinstert.
Aber wenn uns diese Bilder daran erinnern, wie wertvoll das Leben, das Miteinander und die Solidarität untereinander sind, dann haben diese Wochen etwas gebracht: Wertschätzung, Gottvertrauen, Zuversicht, – sich selbst, Gott und seinem Nächsten positiv zu begegnen. Einen gesegneten Sonntag, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst

Worte zum Tag – ‪09.05.2020‬ (Samstag) Veränderung

Der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. (5. Mose 2,7 Losung)

Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. (1. Korinther 4,2 Lehrtext)

Nun endlich kam die erlösende Botschaft auch hier in Südtirol, „unserer Hände können durch ihre Werke“ wieder wie gewohnt Früchte tragen. Die erste Fahrradtour entlang der Passer liegt hinter uns. Weitreichende Lockerungen ermöglichen wieder das Verlassen des Hauses ohne Formular und Kontrollen. Restaurants, Bar, Kneipen öffnen ihre Pforten. Und auch Gottesdienste sind ‪ab dem kommenden Sonntag‬ wieder möglich. Ein Gefühl von Freiheit durchzieht mein Gemüt. Jetzt nur noch die Grenzen öffnen, Kultur wieder erlauben und ich umarme wie früher ohne Hemmungen diese wunderbare Welt. Doch Halt, wird wirklich wieder alles so wie früher sein? Hat sich da nicht doch etwas verändert, vor allem in mir drin?

Mir kommen Erinnerungen an eine lebhafte Diskussion mit meinem geschätzten Kollegen aus der katholischen Gemeinde in Bozen. Auf einer gemeinsamen Reise sprachen wir über Ordination und Priesterweihe, über Bewusstsein und Veränderungen im Leben?
Ich erinnere mich noch sehr genau, wie sich mein Leben veränderte, als meine alte Familie durch die Scheidung meiner Eltern auseinanderbrach. Ich spüre auch noch deutlich die Veränderung in meinem Leben als meine erste Tochter geboren war, jede Geburt unserer Töchter veränderte mein Leben nachhaltig. Mein Schulabschluss, mein Gesellenbrief, mein Diplom, mein Berufswechsel, mein Wohnortwechsel, Hochzeit oder auch der Tod meines Vaters, immer wieder veränderte sich mein Leben, und doch ging es immer weiter.

Ja, das Leben geht weiter, immer weiter, wenn auch mit Veränderung. Das ganze Leben besteht aus Veränderung, und wir haben gelernt damit umzugehen. Manchmal tut ja Veränderung auch gut, neue Leute, neue Umgebung, eine neue Herausforderung, daran wachsen wir. Nähe und Distanz, Verlust und Gewinn, unser ganzes Leben spürt und gestaltet den Umgang mit Neuem und Ungewohnten. Es ist ein Prinzip dieser ganzen Schöpfung, sie ist so angelegt, das Leben verändert und entwickelt sich und uns mit, da kann uns auch kein Virus aufhalten. Die letzten Wochen und Monaten können uns lehren, das Leben mit allen seinen Facetten und Besonderheiten, mit aller Gefährdung und seiner Zerbrechlichkeit wieder bewusster zu spüren. Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

PS: Mit dem Streben nach Normalität enden ‪am 15. Mai‬ diese „Worte zum Tag“. Ich hoffe, dass ich Sie / Euch mit meinen Gedanken gut durch diese Wochen begleiten konnte. Ich verweise auf die vielfältigen Ausgaben, die es zur Herrnhuter Tageslosung im Handel zu kaufen gibt.

Worte zum Tag – 08.05.2020 (Freitag) Barmherzigkeit

Herr, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe. (Psalm 119, 77 Losung)
 
Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie Jesus von ihr. Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie. (Mk 1, 30-31 Lehrtext)
 
Wie ein böses Fieber hatte sich der Hass in den Jahren zuvor aufgebaut. Mord und Totschlag hatten um sich gegriffen und Menschen und Nationen voneinander getrennt. Frei leben zu können, war keine Selbstverständlichkeit. Für manchen Fanatiker war es eine Ehre, sein Leben zu opfern und in den Tod zu gehen, „…für Führer, Volk und Vaterland!“
 
Heute vor 75 Jahren hatte der sinnlose und menschenverachtende Krieg endlich ein Ende gefunden. Millionen von Menschen haben diesen Wahnsinn von Macht über Andere mit ihrem Leben bezahlt. Unzählige Opfer und unwürdige Schicksale brachte dieser Krieg mit sich. Städte und Dörfer waren zerstört, Fortschritt und Entwicklung erlebten einen herben Rückschlag. Niemand, aber auch wirklich niemand sollte diesen Krieg gutheißen. War dieses Elend wirklich nicht absehbar? Einem sogenannten Führer bedingungslos zu vertrauen und nicht zu hinterfragen, macht krank und führungslos. Blind zu vertrauen zerstört den Verstand und wird unserer Verantwortung nicht gerecht.  
 
Die Welt, die Gesellschaft, die Menschlichkeit lagen darnieder. Welche Hand könnte da aufrichten, das Fieber von Hass und Verachtung senken, dem Leben wieder Sinn geben?
Gnade, Vergebung und Barmherzigkeit sind Schlüssel für verschlossene Türen und Tore, die sich zwischen uns Menschen immer wieder aufbauen. Einen gesegneten Tag, Ihr Pfr. Martin Krautwurst

Worte zum Tag – ‪07.05.2020‬ (Donnerstag) Vergebung

Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte. (Nehemia 9,17 Losung)

Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen. (2. Timotheus 2,13 Lehrtext)

Stolpern Sie auch manchmal bei den Worten: „… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern?“ Wenn ich diese Stelle im Vaterunser bete, da schießt mir so manchmal die Frage durch den Kopf, wem ich da jetzt alles vergeben muss. Dummes Gerede, Missverständnisse, Hetze, ungewollte Verletzungen… es gibt so vieles, was mich ärgert, wo ich mich verletzt und ungerecht behandelt fühle. Wenn jemand schlecht über mich redet, Verwechslungen bewusst aufbaut, Tatsachen verdreht, dann fällt mir das Vergeben schwerer, als wenn Missverständnisse entstehen, die sich durch ein klärendes Gespräch ausräumen lassen. Es gibt Menschen, die sich nur auf Kosten anderer wichtig machen müssen, aber es gibt auch jene, die nicht überblicken, welche Folgen ihre Rede hat.

Vergeben zu können und sich seine Seele von Hass und Boshaftigkeiten nicht belasten zu lassen, sind ein Schlüssel für ein glückliches Leben. Vergeben zu können befreit. Vergeben zu können, lässt mich authentischer und ehrlicher leben. Nicht nachtragend zu sein ist eine Eigenschaft der Starken, weniger der Schwachen. Vergeben zeigt wahre Größe und lässt mich groß sein, ohne dass ich andere dafür klein machen muss. Menschen die nicht auf Kosten von anderen ihr Leben gestalten müssen, haben ein erfülltes Leben und sie können von dieser Fülle anderen abgeben. „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“ Diese Worte von Jesus, leidend am Kreuz, beeindrucken mich immer wieder und zeigen mir die wahre Größe und Liebe unseres Herrn. Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

Worte zum Tag – 06.05.2020 (Mittwoch) Lichtmomente

Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. (Jesaja 42,16 Losung)

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass er erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. (Lukas 1, 78-79 Lehrtext)

In einer Dorfschule hatte sich der Schulrat aus der Stadt zur Visitation angekündigt. Schon im Morgengrauen machte er sich auf den Weg in das entlegene Dorf. Doch auf dem Weg dorthin versagte ihm die Technik seines Motorrades. Als er nun verzweifelt am Vergaser schraubte und ratlos die Hände über dem Kopf zusammenschlug, sprach ihn ein Schuljunge an, ob er ihm helfen könne. „Ja, verstehst du etwas von Technik und Motorrädern?“ fragte ihn der Schulrat. Der Junge ließ sich Werkzeug aus der Seitentasche geben und reparierte in kurzer Zeit das Fahrzeug. Nach dem der Motor wieder ansprang dankte ihm der Schulrat und fragte ihn dennoch etwas kritisch: „Ja sag mir aber, warum bist du zu dieser Zeit nicht in der Schule, wie alle Kinder in deinem Alter?“ „Nun ja“, sagte der Junge, eigentlich wäre ich da ja heute auch. Aber der Herr Lehrer hat gesagt, dass heute der Schulrat zur Visitation aus der Stadt kommen würde und da sollten die Dummen zu Hause bleiben, um ihn nicht zu blamieren!“

Nicht jeder helle Kopf eignet sich für jeden dunklen Moment, der mich umgibt. Nicht jede Lampe die leuchtet, bringt auch wirklich Licht in meine Dunkelheit. Es gibt Momente, da scheint uns ein unerwartetes Licht auf, das Orientierung, Halt und Hilfe schenkt. Oft kommt es unverhofft, und doch müssen wir daran glauben. „Licht am Ende des Tunnels“, so könnten wir heute die Lockerungen deuten. Das „aufgehende Licht“ eines Sonnenaufgangs, so spüren wir die Veränderung, wenn wir an unserer Hoffnung festhalten.

Jesus Christus sagt: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt der wird nicht im Dunkeln wandeln, sondern das Licht des Lebens haben. Es gibt diese unverhofften Momente, in denen uns das „Licht der Ewigkeit“ entgegenleuchtet. Lassen wir uns vom Glanz dieser Welt nicht blenden und achten wir auf diese unerwartete Lichtmomente, mit denen uns Gott begegnet. Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.