Der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not. (5. Mose 26,7 Losung)

Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? (Lukas 18,8 Lehrtext)

„Alles, was in der letzten Zeit schwer und bedrückend gewesen war, lag nun hinter ihnen, und sie nahmen sich vor, es zu vergessen, nie mehr daran zu denken. „Ronja“, sagte Birk, „begreifst du, dass wir frei sind? So frei, dass man vor Lachen platzen könnte?“ „Ja, und hier ist unser Reich“, sagte Ronja. „Keiner kann es uns nehmen und uns daraus vertreiben.“ Sie blieben am Feuer sitzen, während die Sonne stieg, und unter ihnen rauschte der Fluss, und ringsum erwachte der Wald. Die Baumwipfel wiegten sich sachte im Morgenwind, der Kuckuck rief, irgendwo in der Nähe hämmerte ein Specht an einem Kieferstamm, und drüben am Fluss trat eine Elchfamilie aus dem Wald. Und da saßen sie beide, und ihnen war, als gehöre ihnen all dies, der Fluss und der Wald und alles Leben, das es dort gab. „Halt dir die Ohren zu, denn jetzt kommt mein Frühlingsschrei“, sagte Ronja. Und sie schrie, dass es von den Bergen wiederhalte“

In dem Kinderbuchroman „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren steigt das junge Räubermädchen in den ersten Frühlingstagen auf einen Felsvorsprung und schreit sich den Winter aus der Kehle. „Frühlingsschrei“ nennt sie das, ich kann ihr es gut nachfühlen. Mit den Kindern der Gemeinde habe ich das mal probiert, das hilft wirklich. Unser schönes Südtirol bietet ja genug Möglichkeiten, wunderbare Berge und Felsen, um diesen Frühlingsschrei zu starten. Altes belastendes endlich loswerden, dass passt gut in unsere Tage. „Schreien“ befreit, heißt es in der Psychologie. In „Elend, Angst und Not“ seinen Gefühlen Raum zu geben tut gut, egal ob es herausgeschrien, erzählt oder niedergeschrieben wird. „Sich etwas von der Seele schreien, reden oder schreiben…“, altes ablegen und zurücklassen, das macht Platz für neues. Ich wünsche Ihnen eine gute neue Zeit, bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit in den letzten Wochen und vertraue auf „Gottes schützenden Segen“, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

Ein Kommentar zu „Worte zum Tag – ‪15.05.2020‬ (Freitag) Frühlingsschrei (Schluss)

  1. Sehr geehrter Herr Pfarrer Krautwurst,
    ich durfte Sie und Ihre Frau in Meran,
    mit der Gruppe Pfarrer Schultheiß
    bei einem Aufenthalt im Filipinum,
    kennen- und schätzen lernen.
    Mit großer Freude bin ich heute beim
    googeln auf ihre Seiten gestoßen.
    Ihre Beiträge und Predigten einfach toll.
    Es grüßt Sie und Ihre Frau,aus dem Schwabenland Groß Raum Stuttgart
    Inge Mack
    Großraum Stuttgart

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