Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19 Losung)

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.

(2. Korinther 7,10 Lehrtext)

Kennen Sie dass, wenn einen Schuldgefühle plagen und man nicht so richtig weiß wie man damit umgehen soll? Die Verkäuferin an der Kasse, die mir zu viel Wechselgeld rausgibt, der Kellner, der eine Bestellung nicht mit abrechnet, die Fahrtkarte die ich zu entwerten vergessen habe…! Schuld und Schuldgefühle unterscheiden sich. Ich lade immer Schuld auf mich, weil keiner perfekt sein kann. Es gibt so viele Dinge die ich noch tun könnte oder müsste, aber ich habe mich eingerichtet im Leben und für manche Dinge verschließe ich einfach meine Augen. Schuld und Schuldgefühle sind nicht dasselbe. Schuldgefühle kann ich ablegen, in dem ich mit jemandem darüber rede, in dem ich das Geld zurückgebe, oder indem ich den das Versäumnis korrigiere. Schuld hingegen hat mit meinem Inneren zu tun, Schuld spüre ich, wenn ich in Gefahr gerate, etwas Entscheidendes in meinem Leben zu versäumen, wie dieser junge Taxifahrer:

Ein Taxifahrer wurde eines Tages zu einer Adresse gerufen. Er hupte einmal, er hupte zweimal und eigentlich wollte er schon wieder losfahren, denn er hatte gleich Feierabend.

Doch dann stieg er aus dem Auto und klopfte an die Tür des kleinen Hauses. Eine alte gebrechliche Stimme sagte: „Bitte, einen kleinen Augenblick noch!“ Wieder verging eine lange Zeit, in der der Taxifahrer am liebsten davongefahren wäre, aber dann ging die Tür auf und eine alte Dame im Blümchenkleid mit Hut und einem alten Lederkoffer erschien. Hinter ihr sah der Taxifahrer mit Tüchern abgedeckte Möbel, nackte Wände, eine leere Wohnung. „Bitte, tragen sie mir doch den Koffer zum Auto…“ unterbrach sie die Gedanken des Fahrers und hakte sich in seinem Arm ein. Sie bedankte sich für die Hilfsbereitschaft und der Fahrer erklärte ihr, dass er alle Fahrgäste so behandeln würde, so, als wären sie die eigene Mutter. Als die alte Dame ihre Zieladresse angab, fragte sie, ob die Fahrt nicht durch die Innenstadt gehen könne und der Fahrer erklärte ihr, dass dies ein riesengroßer Umweg sei. Doch als sie ihm erklärte, dass ihr Ziel das „Hospiz“ und die Zeit für sie kein Problem sei, fuhr er sie an viele unterschiedliche Orte der Stadt. An manchen Orten sprach sie von den Stationen ihres Lebens, an anderen schwieg sie und war in Gedanken in einer anderen Zeit. Die Fahrt ging durch die ganze Nacht und sie fühlte sich wie eine Lebensreise an. Als die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont schienen, kamen sie zu ihrem Ziel, einem kleinen Haus das eher an ein kleines Ferienhaus erinnerte. Zwei Pfleger kamen ihr mit einem Rollstuhl entgegen und als die Dame zufrieden mit einem Lächeln das Taxi bezahlen wollte, winkte der Fahrer ab und bedankte sich für die Reise. „Wenn ich an diese Fahrt denke…“, so der Taxifahrer, „glaube ich, dass ich selten etwas Wichtigeres im Leben getan habe, als in dieser Nacht!“

In unserem hektischen Leben legen wir soviel Wert auf die großen, bombastischen Momente. Alles muss höher, schneller und weiter gehen, dabei sind es die kleinen und stillen Momente die wirklich zählen. Für diese kleinen und schönen Momente sollten wir uns viel mehr Zeit und Geduld nehmen, dann sehen und erkennen wir das Leben. Das sind wir unserem Leben „schuldig“!

PS Vielleicht würden sich unsere Kinder und Enkelkinder freuen, wenn wir besondere Momente unseres Lebens auf Papier bringen könnten, um ihnen Anteil an unserem Leben zu geben…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s